Kolumne #4: Meine Wohnung und ich im Sommer

Kinder, ist das plötzlich heiß! Und ich schwitze. Ich wohne ja auch unterm Dach. Als Expertin zeige ich euch heute 15 (nicht ganz ernst gemeinte) Tipps, wie ich es auch bei 30°C hier oben aushalte und gebe euch Einblicke in meine kunterbunte Welt.

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Goethe lässt grüßen!

Versteht mich nicht falsch: Auch ich freue mich über tolles Wetter. Gerade als Wetterfühlchen, das bei jeder Wolke Kopfschmerzen bekommt, ist klares Wetter eine echte Wohltat. Aber warum sich im Fernsehen immer alle kollektiv über Hitze freuen, ist mir trotzdem ein Rätsel. Die meisten Leute sitzen doch tagsüber an der Arbeit, schwitzen in ihrer Arbeitskleidung, und haben zum Feierabend oft tausend andere Dinge zu tun als in der Sonne zu sitzen. Naja. Ich als Studentin/Arbeitssuchende (mein Leid zu diesem Thema habe ich euch bereits in meiner Kolumne #1: Echt jetzt? Noch ein Blog? – Jawohl, ganz genau! geklagt) habe Zeit, das Wetter zu genießen – und leide trotzdem. Was mich besonders belastet, ist es, wenn ich nachts nicht schlafen kann. Und wenn es tagsüber heiß ist, sich die Wohnung schön aufheizt, bekommt man diese warme Luft auch nachts kaum noch aus den vier Wänden. Und bei Hitze kann ich partout nicht schlafen. Und wenn ich schlecht schlafe, ist es wie wenn ich schlecht esse (dieser Beitrag zeigt wie das so geht mit gutem Essen bzw. guten Burgern: Kitchen Corner #1 – mit Mister X: selbstgemachte BURGER mit Guacamole und knusprig gebratener Chorizo – der ‚LATIN LOVER’ unter den Burgern): Ich. Habe. Schlechte. Laune.

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Mein Essbereich. Richtig gesehen: Ich mag’s gepunktet :)

Ich bin mir sicher: Ich bin nicht alleine. Und da ich tropenerprobt bin – ich habe bei meinen Eltern unterm Dach gewohnt, mein Jahr in Straßburg verbrachte ich unterm Dach und seit 2009 wohne ich in Gießen unterm Dach. Gut, dazwischen, in den USA, war ich im Hochparterre. Aber dort ist es eh egal, auf welcher Etage man wohnt. Die Klimaanlage friert alles ein – kommen hier meine 15 Tipps, wie man es auch bei 30°C und mehr in seiner Wohnung aushält. Denn normale Tipps à la „Benutzen Sie eine Sommerdecke und lüften Sie nur in den Abend- und frühen Morgenstunden“ sind vielleicht gut genug für Kellerkinder, nicht aber für die Könige der Welt aka die ‚Ganz-oben-Wohner‘.

Ganz ehrlich: Am besten ist es, nicht da zu sein. Ich leide unter der heißen Luft und meine Anwesenheit macht die Wohnung gefühlt minütlich noch wärmer. Und stickiger.

  • 1. Mein Tipp: Arbeit suchen (Gut, Lieselotte, sag‘ dir das selbst mal schön laut!) und dann dorthin auswandern. Am besten im Vorstellungsgespräch fragen, ob das Büro über eine Klimaanlage verfügt. Wen interessieren schon Gehalt und Urlaubstage? Auf den Klimakomfort kommt es an! Und dann: Überstunden machen. En masse. Und abfeiern, wenn es nicht mehr ganz so heiß ist.
  • 2. Und wenn man sich in einem Job hat einlullen lassen, der alles bietet bis auf eine Klimaanlage? Pech gehabt. Das gleiche gilt für alle, deren Arbeitsplatz entweder der heimische Schreibtisch oder eine immer (!) heiße und stickige Universitätsbibliothek ist.
  • 3. Ich quartiere mich ja regelmäßig im Sommer selbst aus. Schlafe bei meinem Freund, bei meinen Eltern oder sonst wo. Oft träume ich im Hitzefieber von Hotelzimmern mit Klimaanlage.
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Links Brüssel, rechts San Francisco – ein Teil meiner Bilderwand. Bisschen schief ist niedlich…
  • 4. Wunderschön war es vorhin z.B. im Supermarkt vor dem Kühlregal. Ich fand die Wahl meines Quarks noch nie so spannend. Ich habe ALLE Etiketten gelesen. Und dann im Kopf übersetzt. Und dann brauchte ich natürlich den Käse von gaaaanz hinten im Regal. Herrlich.
  • 5. Shoppen ist auch nicht schlecht. Das gilt zwar als das No Go im Sommer, aber wenn man nicht gerade Wintermäntel anprobiert, ist es in Kaufhäusern echt angenehm und kühl. Viele Läden bieten ja mittlerweile Sitzplätze vor den Umkleidekabinen an. Hier gilt: Schon morgens mit Handtuch reservieren und dann einquartieren. Positiver Nebeneffekt: Du wirst der beste Modekritiker.
  • 6. Ich bin aus Hitzeverzweiflung auch schon in Gießens super modernes Cineplex-Dings gegangen – ich war nach dem Film ein wunderschöner Eiswürfel, der erst ganz allmählich wieder aufgetaut ist.
  • 7. Freibad dagegen ist nur mäßig zu empfehlen. Denn es ist, sobald man das Wasser für fünf Minuten verlässt, einfach heiß. Und dann sitzt man da in seiner eigenen Suppe. Schön mit dicker Sonnencreme-Schicht auf der Haut. Nicht eincremen ist übrigens keine Alternative!
  • 8. Autofahren ist übrigens auch gut. Natürlich nur, wenn ihr auch wirklich irgendwo hinmüsst. Ich bin bei 35°C mal 2,5h für 180km zu meinen Eltern gefahren – ich stand noch nie so gern im Stau.
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Meine Lieblingsecke mit Lieblingsmaler <3

Gut, nehmen wir an, wir sind jetzt aber trotzdem mal Zuhause. Wie kühlt man sich daheim ab, mal vom Kopf in den Kühlschrank stecken abgesehen? Ohne Witz, einmal täglich mache ich das wirklich…

  • 9. Morgens ist es wichtig, früh aufzustehen. Am besten schließt man alle Fenster, nachdem man die Nacht alles aufgerissen hat, bereits um sieben. Wenn ihr so wohnt wie ich, steht ihr sowieso spätestens um 6:30 auf. Dann brummt der Verkehr, die liiieben Vögelchen beginnen ihren Gesang, auch wunderbare und fortpflanzungsfreudige Raben sind darunter, außerdem bimmeln alle Kirchen der Stadt, es wird gebohrt und gehämmert… Also, alle Fenster schließen und auch sofort abdunkeln. Wenn ihr Arbeit habt, müsst ihr wahrscheinlich so oder so früh aufstehen… Also, aufstehen und alles zu. Fenster zu, Rollo runter – komplett! Und dann: Leben im Bunker. Ich z.B. weiß im Moment noch nicht, wie ich Fotos zu diesem Beitrag machen soll, da das einzige Licht, das ich sehe, das von meinem Laptop ist. Richtig gut funktionieren nur Außenrollos. So Dinger innen verhindern zwar, dass die Sonne blendet, aber heiß wird es dann trotzdem. Also: Vermieter zwingen, an allen Fenster richtig stabile und gute Außenrollos anzubringen. Hat bei mir super geklappt. Ich habe drei Rollos. Und sieben Fenster.
  • 10. Und egal, wie stickig die Luft tagsüber wird. Nicht. Die. Fenster. Öffnen. Tut so, als fände draußen eine Apokalypse statt. Und ihr könnt euch retten, wenn ihr ein bisschen in eurem eigenen Mief sitzt.
  • 11. Auch ja niemals den Fehler machen, die Fenster abends zu früh zu öffnen. Ich bin da immer so optimistisch. Oder auch nur verzweifelt. Das Thermometer hier drinnen steigt von morgens 22°C auf abends 27°C und ich will aaaatmen. Also, um halb acht Fenster auf. Fehler. Auch halb zehn ist zu früh. Ich will ins Bett gehen und sollte die Fenster eigentlich weiter geschlossen halten. Also: Geht erst um kurz vor Mitternacht schlafen, bis dahin besteht eine 0,25 prozentige Chance, dass es draußen kühler ist als in der Wohnung, und macht erst dann die Fenster auf. Klar, von Mitternacht bis sieben Uhr morgens lüften bringt praktisch nichts, um die Wohnung abzukühlen, zumindest nicht unter einem Dach, das so schlecht (nämlich gar nicht) isoliert ist wie das, unter dem ich lebe, aber hey! viele Leute bezahlen einen Haufen Geld für eine Privatsauna.

 

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  • 12. Kalte Fußbäder kann ich empfehlen. Mir reichte ein normales Bad dafür nicht, also so ein kleiner Eimer, unmöglich. Ich nehme einen großen Wäschekorb. Den mache ich so voll mit Wasser wie ich kann, und dann stecken da meine Beine bis zum Knie drin. Heimvorteil: Ich darf das hier. Sieht mich ja keiner in meinen Shorts, barfuß und mit den Füßen im Eiswasser. Wie auch? Hier drin gibt’s ja kein Licht.
  • 13. Cremt euch bloß nicht ein. Mir wurde von meiner Hausärztin trockene Haut bescheinigt, die ich täglich eincremen soll, wie ich euch in diesem Beitrag erzählt habe, und ich habe mich die letzten Wochen auch sehr fleißig an ihren Rat gehalten und gecremt, was die Bodylotion-Tube hergab. Aber jetzt ist mal Schluss. Durch die Hitze muss nicht nur ich durch, sondern auch meine Haut. Was uns nicht tötet, macht uns nur härter – im wahrsten Sinne des Wortes.
  • 14. Nicht bewegen und nichts anfassen. So lässt es sich am besten aushalten daheim. Heißt: Ofen aus, Mickey Mouse! Keine Mikrowelle, kein Ofen, keine Herdplatten und kein Wasserkocher. Es gibt also kalte Küche. Alternativ bringt euch auch der Lieferservice was zu Essen. Ich habe gerade erst gestern meine eigene Regel gebrochen und Suppe gekocht. Ich Idiot. Wirklich. Nehmt mir meinen Uni-Abschluss weg. Überlebens-101? Lieselotte ist durchgefallen.
  • 15. Und zum Schluss kommt mein allerbester Tipp zum Thema: Wie schläft man gut bei Hitze? Antwort: Gar nicht. Tja, so einfach ist das. Unterm Dach ist es eben heiß und stickig, wenn es draußen heiß und stickig ist. Kann man nichts machen. Außer eine Klimaanlage kaufen. Für die maximal zehn Tage im Jahr mit über 30°C lächerlich. Da müssen wir durch, wir Dachkinder! Dünne Laken, lüften, Raumbefeuchtung – bringt alles nichts. Heiß ist heiß. Wer schlecht schläft, kann am nächsten Tag vielleicht ja im Freibad dösen. Oder im Supermarkt vor dem Joghurt-Regal. Oder an der Arbeit.

Ihr merkt jetzt selber: Hitze tut mir nicht gut. Mein Hirn ist Matsch, mein Körper ist müde (kein Wunder, wenn man hier in absoluter Finsternis sitzt und nicht schläft), und es kommen nur dämliche Ideen dabei raus. Bitte nehmt meine Tipps nicht so ernst und sagt nachher: „Dass man an der Arbeit schlafen soll, habe ich im Internet gelesen!“ Obwohl, wenn ihr das sagt und angebt, Dinge zu glauben, die irgendwo im Internet stehen, ist euch sowieso nicht mehr zu helfen und ihr braucht auch dringend eine Abkühlung. Und jetzt freuen sie sich gerade im Fernsehen wieder darüber, dass der Traum von einem heißen Sommer in Deutschland dieses Jahr doch nicht platzt. Jubel oh Jubel. Ich geh dann mal den Kopf in den Kühlschrank stecken…

Noch mehr schmunzeln und noch mehr Listen? Hier bitte: Kolumne #2: Instagram – was machst du nur mit mir?

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Kitsch as Kitsch can!

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5 Kommentare zu „Kolumne #4: Meine Wohnung und ich im Sommer

  1. Du hast mir soeben ein breites Grinsen auf mein Gesicht gezaubert. Traurig aber wahr, das ist die harte Sommerrealität :-)

    Zum Glück habe ich nicht das Dachgeschoss-Problem, bin aber ein Mensch, dem 25 Grad völlig ausreichen würden und, da der Sonnenbrand sowieso nach 5 Minuten eintritt, auch überhaupt nicht nachvollziehen kann, wie man bei diesem Wetter rausgehen, bzw. ins Schwimmbad / an der Baggersee (noch mehr Sonnenbrand dank der Wasserreflexion!!!) gehen kann. Gestern habe ich es dann doch gewagt, war am Baggersee und habe mich mit mit LSF 50 unterm Sonnenschirm verkrümelt.

    Deswegen heißt es die nächste Zeit: Alle Luken schließen und 4 Staffeln Game of Thrones schauen. Denn der Winter naht… Irgendwann. Dann werden wir jammern, dass es kalt ist und hier Testberichte zu den besten Keksen und Glühweinen lesen :-D

    Gefällt 1 Person

    1. Muchas gracias, Ute! Aber Fernseher machen auch heiß! Und ich hab‘ alle Staffeln schon gesehen! Ich schaue aber am Wochenende Sons of Anarchy weiter :) Morgen soll es – hier zumindest – nicht ganz so heiß werden. Vielleicht kann ich es dann auch wagen, ins Freibad zu gehen… Ich drücke uns beiden die Daumen für 25°C – denn die sind wirklich perfekt!
      Kuss

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